Donnerstag, 4. Juli 2013

Der Kunde ist nicht Gott

Der Kunde ist König – aber nicht Gott. Seit ein paar Tagen macht mir eine indische Familie das Arbeitsleben schwer. Wie die meisten, die bei uns anrufen, möchten sie für ihren kleinen Sohn eine Kindergeburtstagsparty buchen und das ist ja auch schön so. Nicht so schön ist es, wenn die Leute nicht verstehen, dass man so eine Geburtstagsparty nicht von heute auf morgen buchen kann, dass die Preise nicht verhandelbar sind und dass sie nicht jeden Tag ihre Meinung ändern können.

Das Vorgehen ist da bei uns eigentlich recht simpel: Die Menschen rufen an, lassen sich einen Termin reservieren und schicken uns im Anschluss das Anmeldeformular. Habe ich den Zettel, dann gebe ich die Daten in unsere Datenbank ein und warte darauf, dass einer unserer freiberuflichen Mitarbeiter für diesen Termin einträgt. Ist das passiert, bekommen die Leute eine schriftliche Bestätigung per Mail.

one-25722_640[1]Was so einfach klingt, ist oft ziemlich kompliziert und zeitaufwendig. Und Zeit habe ich nicht viel, da ich nur 25 Stunden in der Woche arbeite. In so einer Arbeitswoche organisiere ich knapp 20 Geburtstage, 5 Gruppenveranstaltungen, schreibe die Angebote und die Rechnungen, kümmere mich um die Ferienanmeldungen fürs Ferienprogramm, erstelle und ändere hier und da ein Formular, bereite Workshops vor und so weiter. Was ich damit sagen will ist, dass ich für einen Kindergeburtstag weniger als eine Stunde Zeit habe.

Und dann ist es einfach richtig schlimm, wenn EINE Familie, die auch noch den allerbilligsten Geburtstag gebucht hat, mich mehrere Stunden auf Trab hält, weil sie ihre Meinung dauernd ändert, Sonderwünsche hat (die natürlich nix kosten dürfen), in ellenlangen Abhandlungen per E-Mail über die Preise diskutiert, konsequent um 14 Uhr anruft, obwohl ganz klar geschrieben steht, dass unser Büro bis 13 Uhr Sprechzeit hat…So nicht!

Ich bin wirklich genervt im Moment, weil wegen dieser Familie so viel meiner Arbeit liegen bleibt und andere Familien wegen deren Allüren jetzt länger warten müssen. Eigentlich nervt es mich nicht, sondern es kotzt mich an. Deswegen habe ich mir gestern dann auch in feinstem Gossen-Englisch eine Ansage rausgequält, die meine Chefin zu wahren Lachsalven gebracht hat. Der Text war irre lang, die Aussage kurz: Wir sind hier nicht auf dem indischen Basar und ich verhandele nicht weiter. Entweder buchen oder sein lassen. Zum Glück hab ich ‘ne liebe Chefin, die da hinter mir steht.

3 Kommentare:

  1. Oh ja, da hast du wirklich eine nette Chefin. ich kann mir so etwas leider nicht rausnehmen. Aber wenn die "Kunden" bei uns zu dämlich werden, ruft sie persönlich an und erzählt ihnen dann mal ein paar Takte. Immer wieder schön, wenn ich dabei sein kann^^

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  2. Manche Kunden sind wirklich einfach nur anstrengend. Ich habe auch einige Exemplare dieser Art, leider bin ich nicht frech genug, da dann mal eine passende Antwort rauszuhauen (deine find ich übrigens mehr als gelungen :-))). Aber auch ich habe dann glücklicherweise Leute, an die ich solche Nervzwerge weiterleiten kann.
    Hat die Familie letztlich denn noch gebucht?

    Liebe Grüße
    Mea (die dir ab sofort folgt - tolles Design, toller Schreibstil! Gefällt mir! :-))

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  3. Nö, ich hab denen nach weiterer Eskalation die ganze Buchung storniert. Das war dann mein letzter Akt am Freitag - danach bin ich heim gegangen. Die hat sich bestimmt noch übers ganze Wochenende per Mail ausgekotzt. Das muss ich aber heute nicht lesen, weil ich daheim bleibe :). Solche Leute sind dann echt nicht mehr kostendeckend.
    Danke für das nette Kompliment und fürs Folgen.

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